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Aktuelles Solo:  LUST

© Leipziger Volkszeitung vom Donnerstag, 3. Juli 2003
Charme, Witz, unbändige Spiellust - und die Seelen des Publikums beginnen zu fliegen
Der Fürstenhof spielt mit. Wer das Nobel-Hotel am Tröndlinring auf der Suche nach dem Sommertheater betritt, bekommt vom Service-Personal mit unaufdringlicher Grandezza den Weg gewiesen. In den historischen Innenhof. Wenn das Wetter nicht mitspielt, in den Rubinsaal.
Dort ist die Zeit 80 Jahre zurückgedreht. Dort wuseln ein Stubenmädchen mit Häubchen und Spitzenschürze und ein Liftboy in feiner Livree herum. Er hat einen Traum - "Die reizenden Damenschuhe von Zimmer 20". Sie ist ratlos - "Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre ..." Den Hit hat Friedrich Hollaender geschrieben. Katrin Troendle und Bert Callenbach tauchen mit Lust und unbändiger Spielfreude in die 20er Jahre ein. Vor einem Dutzend Jahren hatten sie mit einem solchen Programm ("C'est la vie") in Leipzig ihre Karriere begonnen.
Das Neue heißt " ... das kommt nicht wieder!", ist wie aus einem Guss und wird fast nur von Musik getragen. Kaum Sprechtext, die Geschichten über Menschen in einem Hotel à la Fürstenhof jener Jahre werden spielerisch glänzend einfach über Songs und Chansons erzählt. Mit vielen witzigen Details, brillant gesungen, schräg vertanzt, mimisch aufbereitet und in permanent wechselnden Kostümen (von elegant bis schrill) schwelgend. Die Revue hat Atmosphäre und Tempo, verzahnt die Bilder (Regie: Willi Keindorf) nahtlos - Soli, Duette, Medleys, eine umwerfende "Modenschau", Flirt- oder Barszenen, eine Wodka-Orgie oder die artistische Magienummer der "zersägten Jungfrau" ... Skurrile Typen entstehen und verschwinden wie von Geisterhand, und in dieser stimmigen Atmosphäre entfalten sich Glamour, Eleganz und schwarzer Humor wie eine Wunderblume.
Natürlich stehen Troendle und Callenbach als Duo im Vordergrund, aber die Dichte des Programms trägt die Handschrift eines Quartetts: Jens Baermann mit seinem perlenden oder jazzig treibenden Piano und Matthias Zeller mit seiner schluchzenden oder jubilierenden Tangogeige. Beide nicht nur perfekte Begleiter, sondern Stimmungsmaler mit ihren instrumentalen Intermezzi, als Sänger im "Backgroundchor", gediegene Ansager oder stumm-pantomimische Mitspieler ...
Kein Zweifel, in den Hits von Hollaender, Kollo und Co. ist die Amüsierwut der "Goldenen" 20er nicht einfach reflektiert, sondern schon ironisch gebrochen. Aber gehoben haben den Schatz Troendle/Callenbach, und so brillant war das Duo dabei noch nie: Zwei Stunden, in denen ihr Charme und Witz die Seelen des Publikums zum Fliegen bringt. 
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