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Lust Sachsendiva KATRIN TROENDLE
am Piano: Jan Mareck
Haben Sie auch Lust auf Laube, Qual oder gar nichts? Dann sind Sie richtig bei Katrin Troendles Gipfeltreffen der Lüste. Die Chansonette und
Wortartistin singt und plaudert sich in das Lustzentrum ihres neuen Soloprogramms. Jan Mareck hat das Lustlos gezogen und ist wieder der
Tastenknecht. Für die Diva und das Publikum der absolute Lustgewinn! zu den PREMIEREN-BILDERN
Mit Charme und wissenschaftlicher Akribie geht die Sachsendiva dem Geheimnis aller Lust auf den Grund: Ist Lust heilbar? Macht sauer lustig?
Sind Lustspender steuerlich absetzbar oder wie kann man Lust verhüten? Häuten sich Lustmolche? Wie vermehren sich Lustkiller? Wirken Lustbremsen auf Workaholiker? Wer überlebt das Ende der Lustlüge?
Antworten gibt ein Panoptikum skurriler Figuren, die nur darauf warten, Sie in ihre verborgensten Gelüste einzuweihen. Denn: Lust kommt nur durch Lust!
Arrangements: HELGE NITZSCHKE Buch: KATRIN TROENDLE und CHRISTOPH SINGER Lieder: KREISLER, PIGOR, SINGER, TROENDLE, WARTKE u.a.
Regie: BERT CALLENBACH fürs Entertaiment und WILFRIED KEINDORF fürs Schauspiel Kostüme: Gaby Frauendorf Plakatfoto und Fotos auf dieser Seite: Stephan Hoyer Fotos auf den folgenden Seiten: Frieder Krenzlin
Leipziger Volkszeitung vom 30. März 2007 von BERT HÄHNE Die Sachsendiva und ihr Alter Ego Die Zunge tief drin im Dialekt: Umjubelte Premiere im Frosch-Café
Das Fazit gleich zu Beginn: „Lust“ ist lustig! Katrin Troendle und Helge Nitzschke feierten am Donnerstag die
Premiere ihres neuen Programms. Und sie feiern noch immer – heute und morgen im Frosch-Café.
Es geht um die Lust. Gleich zu Beginn werden die Lustlose gezogen, später kommt die Lust per Post. Aber: Die
Akteure widerstehen der Versuchung, sich allzu sehr in erwartbaren Wortspielen zu verlieren. Stattdessen
unterhalten sie schwungvoll, schmettern Schmissiges und wechseln die Kleidung. Zumindest sie, Katrin Troendle,
die Sachsendiva. Sie gestattet dem Publikum mehrere Blicke auf ihren kaum verhüllten Rücken und führt im Laufe des Abends ein knappes Dutzend Kostüme vor.
Mit der Sachsendiva hat sich die Troendle etwas auf den Leib erfunden, das Rolle und Markenzeichen zugleich ist.
Sie hätte auch die Leipziger Lerche sein können, wenn dieser Begriff nicht an ein Gebäckstück vergeben gewesen
wäre. Oder die Göre. Doch das klingt zu sehr nach Berlin. So ist sie frivol-komische Sachsendiva, vor allem aber
fröhliche Komödiantin mit Mut zu Kasperei und Gefühlsausbrüchen, voller Tempo, die Zunge immer tief drin im
Dialekt. Und wenn sie an Edith Piaf erinnernd im „Hauptbahnhof von Paris“ liebevoll mit Klischees und Stimmungen spielt, ist sie der Spatz vom Frosch-Café.
Hauptbahnhof von Paris? Als die Wissenden im Saal schon murmeln von Gare du Nord und Gare Saint-Lazare,
verrät Bühnenpartner Nitzschke, dass Paris gar keinen Hauptbahnhof hat. Überhaupt Helge Nitzschke. „I’m a
lover, not a fighter“, stellt der troendle-treue Pianist fest und singt, spricht, spielt ebenbürtig, ohne der Diva ihre Position streitig zu machen.
Gefährlich wird dieser nur Peggy. Keine Diva. Die Frau aus der Nachbarwohnung trägt Klamotten wie du und ich. Oder keine! „Nack’sch in
meinem Garten“ wartet sie auf das Kommen der Ostsee (wegen des Abschmelzens der Pole) und ruft: „Erderwärmung find ich spitze!“ Peggy, eine
wunderbare Figur, die nur zu Beginn an die Frau des fernsehpräsenten Schuhverkäufers Al Bundy erinnert, ist die Paraderolle für Katrin Troendle, das
Alter Ego der Sachsendiva. Ihre Monologe könnte man an jedem Gartenzaun, in der Fleischerei oder Straßenbahn hören, so authentisch sind sie. Bloß besser, weil verdichtet und mit Pointen gefüllt.
Die Rothaarige parliert über Frisuren, die Rentenversicherung und Günthers unanständige Lust, stampft auch mal auf: „Das mach’sch nisch mit!“ Sie zeigt
uns das echte Leben, ohne dessen Protagonisten zu diffamieren. Sie bietet Weisheiten von der Straße souverän dar. Kein Wunder: Katrin Troendle hat
das Leipziger Sächsisch mit der Muttermilch eingezutscht. Die Dresdner sprechen ganz anders. Und die Chemnitzer erst!
Manchmal wäre ein Verweilen beim besinnlichen Teil der Lust zum Verschnaufen gut gewesen, aber Katrin
Troendle ist nun mal ein Energiebündel, eine Quatschgranate. Sie reißt mit – ob als Peggy oder als Vamp aus
dem Varieté. Am Ende stellt sich Wehmut ein: Was muss das für ein Leben gewesen sein in den Goldenen Zwanzigern, als in Leipzig wohl alle so sprachen wie die Sachsendiva. Und es dutzende Läden wie das
Frosch-Café gegeben haben muss ... |