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Scheidungsrevue: Der Nächste bitte!
Rosenkrieg statt Rosenhochzeit... Das neue Programm mit Sachsendiva Katrin Troendle und Entertainer Bert Callenbach
Am Piano und zwischen den Fronten: Olga Nowikow
Regie: Björn B. Bugiel Kostüme: Constanze Dinnebier
“In jeder Trennung wohnt ein Neuanfang.” Lassen Sie sich vom Traumpaar Troendle / Callenbach in deren
Scheidungsphilosophie einweisen. Die beiden Vollblutkünstler holen für Sie die Scheidungsmesse nach Leipzig,
präsentieren Ihnen Lebenshilfe und mehr als 50 Tricks um Ihren Abschnittsgefährten loszuwerden. Nebenbei erleben Sie als Voyeur die spannenden Geschichten um Ehe, Mord und Seitensprung. Aber auch der schönste
Ehekrach wäre nichts ohne die passende Musik, die Ihnen unsere sich entturtelnden Täubchen zwitschern werden.
Wer hat eigentlich die Eheidylle zerstört? Säte Olga Nowikow gekonnt Zwietracht? Wird alles wieder gut? Um dies zu erfahren lohnt sich ein
Ausflug ins Frosch Theater. Reservierungen werden auch vertraulich entgegengenommen.
Bis das der Tod Euch scheidet oder im Frosch Café die noch größere Liebe auf Sie wartet... Entscheiden sie am Ende des Abends selbst, ob sie zusammen oder alleine neu durchstarten wollen.
LVZ 05.04.2008 von Bert Hähne „Sei bitte, bitte blöd zu mir“
Katrin Troendle und Bert Callenbach harmonieren bei ihrer Scheidungsrevue im Frosch-Café
„Scheidungsrevue: Der Nächste bitte“ heißt das Programm von Katrin Troendle, Bert Callenbach und
Conny Rösler, das am Donnerstagabend im Frosch-Café Premiere feierte. Wir erleben die gut aufgelegten Akteure in einem Reigen von Liedern und Szenen sowie im fliegenden Wechsel von
Kostümen, Frisuren und Figuren. Das macht Spaß – auf der Bühne und im Publikum. Worum geht es? Katrin und Bert – mit fließenden Übergängen zwischen realer und künstlerischer
Identität – sind seit 20 Jahren zusammen. Die Fehler und Macken der jeweiligen Gegenseite sind erkannt und werden, wenn überhaupt, gerade noch toleriert.
„Du kommst zu spät“, singt Bert, während Katrin sein Scheidungskindgeheule nicht mehr ertragen kann. Beide reden gleichzeitig, balancieren zwischen angestrebter Harmonie und ausbrechender
Zickigkeit und kommen zur gemeinsamen Schlussfolgerung: „Wenn ich mich scheiden lasse, dann nur von dir!“ Pianistin Conny Rösler agiert ebenbürtig als Korrektiv und Spielball der Trennungswilligen.
Wir erfahren, wie man 90 Kilo altes Fett los wird („Durch Scheidung!“), sehen Bert Callenbach als coolen Wirt, den man aus der Gottschedstraße zu kennen glaubt, Katrin Troendle als frühlingshafte
Typberaterin mit Gisela-May-Frisur, Callenbach als Frau Hacke-Schmidt vom Institut für hoffnungslose Fälle, Troendle als Privatdetektivin Ludmilla. Die grandiosen Quatschköpfe
unterhalten ebenso mit gut gelauntem Gesang und gelungenen Choreografien. Nach der Pause wird ein mit lokalen Umdeutungen garnierter Werbefilm der Leipziger
Scheidungsmesse gezeigt. Das reale Wiener Vorbild gibt’s tatsächlich und kommt in diesem Jahr nach Berlin, im Frosch-Café nach Leipzig. Troendle und Callenbach eröffnen in Operetten-Optik mit
Musical-Gesten und Volksmusik-Mimik. „Die Welt gibt sich ein Rendezvous hier auf der Scheidungsmesse“, singen sie und kurz darauf: „Sei bitte, bitte blöd zu mir – ich will dich doch verlassen.”
Nun finden wir uns an Messeständen unter Anwaltskanzleien und Single-Reise-Anbietern wieder. Geschickt eingebaut ist ein Troendle-Auftritt als „Magic Mandy“, die – das passt – Ringe in- und
auseinander zaubert. In „Mexiko“ (Single-Reise!) erinnert Bert Callenbach an Heinz Rennhack, Katrin Troendle als „Rabenmutter“ an Helen Schneider – in weißblond und mit Schulterfedern.
von „Johnny war ein Butterkeks“ inklusive Schmusefinale über den verblüffenden Sprechchor „Holt die Kinder aus dem Paradies“ bis hin zum Lied „Bitte mach mir ein Kind“.
Am Ende dieses abwechslungsreichen Ritts durch das Leben kommen Katrin und Bert auf ihre Trennung zurück – und nehmen mitsamt Conny Rösler ein verdientes Bad im Beifall der Menge.
LVZ 03.04.2008 „Eine so genannte Hirnverschmelzung“
LVZ Katrin Troendle und Bert Callenbach beantworten vor der Premiere ihrer Scheidungsrevue die Ehe-Fragen Max Frischs
Arme Conny Rösler. Die Pianistin sitzt von heute an zwischen den Fronten zweier wortgewaltiger Leipziger
Entertainer: Zu Röslers Musik feiern Katrin Troendle und Bert Callenbach im Frosch-Café die Premiere ihrer
Scheidungsrevue. Man darf davon ausgehen, dass die beiden in Ehefragen nun über ein gewisses Fachwissen
verfügen. Daher haben wir sie gebeten, vorab einen Fragebogen zur Ehe zu beantworten, den der Schriftsteller Max Frisch entworfen hat. Ist die Ehe für Sie noch ein Problem? Nein, wir gehen mit der Zeit, nutzen Seitensprungagenturen und pflegen gute Beziehungen zu den Nachbarn. Da
weiß man wieder, wie wenig Probleme man hat. Wann überzeugt Sie die Ehe als Einrichtung mehr: wenn Sie diese bei andern sehen oder in Ihrem eignen Fall? Unsere Ehe ist vorbildlich. Andere haben ja nur wegen des Finanzamts geheiratet. Wir für das Publikum.
Was haben Sie andern öfter geraten: a) dass sie sich trennen? b) dass sie sich nicht trennen? Natürlich, dass man zusammenbleibt. Was soll schon nach der Ehe groß kommen? Die nächste Ehe oder gar
Verwahrlosung als Single? Kennen Sie auch Versöhnungen, die keine Narben hinterlassen auf der einen oder auf der andern oder auf beiden Seiten? Wir haben keine Narben. Es bilden sich allenfalls temporär ein paar Pickel.
Welche Probleme löst die gute Ehe? Alle Probleme, die man als Single hat. Wie erklären Sie es sich, dass Sie bei sich selbst oder beim Partner nach einer Schuld suchen, wenn Sie an
Trennung denken? Die Natur hat es geschickt so eingerichtet, dass immer die anderen Schuld sind. Alles andere würde auch zu Depressionen führen. Hätten Sie von sich aus die Ehe erfunden? Klar, ohne diese Krönung der Zivilisation gäbe es doch keine Scheidungen und kein neues Programm im Frosch
Café. Wann macht Sie die Ehe eher nervös: im Alltag, wenn Sie allein sind, in Gesellschaft mit vielen? Immer in Gesellschaft mit vielen. Man weiß ja schließlich nie, ob sich der Partner wieder daneben benimmt.
Entwickelt sich in der Ehe ein gemeinsamer Geschmack (wie die Möblierung ehelicher Wohnung vermuten
lässt) oder findet für Sie beim Kauf einer Lampe, eines Teppichs, einer Vase und so weiter jeweils eine stille Kapitulation statt? Bei guten Eheleuten findet eine so genannte Hirnverschmelzung statt. Die Kapitulation ist bereits mit dem Ja-Wort
auf dem Standesamt passiert. Hätten Sie der standesamtlichen oder der kirchlichen Formel für das Eheversprechen irgendetwas beizufügen? (Bitte um genauen Text) Man sollte eher was weglassen, da die meisten ja nicht bis zum Tode mit dem Scheiden warten können.
Ansonsten sollten die Rollen gleich festgelegt werden. Frau Küche, Mann Abfall oder so ähnlich. Falls Sie sich schon mehrere Male verehelicht haben: Worin sind Ihre Ehen sich ähnlicher gewesen, in
ihrem Anfang oder in ihrem Ende? Wir sind mehr so als Zeugen tätig. Aber die Enden sind vermutlich meist weniger harmonisch. Halten Sie Geheimnislosigkeit für ein Gebot der Ehe oder finden Sie, dass gerade das Geheimnis, das zwei
Menschen voreinander haben, sie verbindet? Ohne Geheimnisse gäbe es keine Überraschungen. Denken Sie an Weihnachten oder den Geliebten im Schrank.
Mit seinen elf Fragebögen hatte der Schweizer Schriftsteller Max Frisch (1911 bis 1991) offenbar männliche
Leser im Sinn. Die Listen behandeln neben der Ehe zum Beispiel die Themen Frauen sowie Vatersein, nicht aber
Männer und Muttersein. Die Bögen sind in Frischs literarischem „Tagebuch – 1966 bis 1971“ enthalten und sollen
helfen, sich über die eigenen Einstellungen bewusst zu werden. Frischs weitere Fragen betreffen Freundschaft, Hoffnung, Humor, Geld, Heimat, Eigentum, Tod und die Erhaltung des Menschengeschlechts. Mwö
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